10 Jahre freier Lektor, Texter und Autorencoach – meine 10 wichtigsten Lektionen über Texte, Menschen und das Schreiben

Vor 10 Jahren habe ich mich als freier Lektor selbstständig gemacht – mit Respekt vor der Medienwelt und viel Neugier auf eine Branche im Umbruch. Was als klassisches Lektorat und Korrektorat für Verlage begann, ist heute viel mehr: 

Ich durfte unzählige Texte begleiten – und noch viel mehr Menschen. Hier sind 10 Lektionen, die meinen Blick auf Sprache geprägt haben.

1. Kein Text ist „nur“ ein Text

Texte kleiden Persönlichkeiten.

 

Jede Nuance spiegelt Haltung, Mut oder Unsicherheit. Wer mit Texten arbeitet, arbeitet mit Menschen – immer. Daher verdienen die Ansprüche der Auftraggeber vollste Aufmerksamkeit – immer.

2. Schreiben ist mehr als Formulieren

Formulieren ist Technik. Schreiben ist Erzählen, Klarheit und Mut zur Einfachheit – in guter Kombination mit Komplexität.

 

Wer »Das kann ich auch« sagt, meint, dass er einen Text oder ein Buch mit ausreichend Zeit auch so hinbekommen hätte. Ist es wirklich so einfach? Ich glaube, dass wir im Alltag Schreiben oft mit Formulieren verwechseln. Ja, es gibt reichlich Menschen, die gut mit Worten umgehen können. Bei ihnen klingt es einfach nach etwas. Aber das trifft auch auf jedes amtliche Schreiben zu. Bürokratisch-korrekte Texte sind perfekt formuliert und dennoch kein Beispiel für ein gelungenes Schreiben. Wer schreiben will, muss erzählen wollen, muss den Mut zur Einfachheit mit der Fähigkeit zur Komplexität kombinieren können. 

3. Schreiben lernt vom Sprechen

Regeln allein machen keinen guten Text. Wirkung entsteht, wenn das Geschriebene nach echtem Leben klingt. 

 

Gute Sprache ist weder eine Frage der Regeln noch der Bürokratie. Natürlich sind Rechtschreibung, Grammatik und logische Folgerichtigkeit wichtig. Aber gelungene Formulierungen entstehen nicht nur durch Korrektheit, sondern auch durch Passung. Ein Text funktioniert, wenn er bei der richtigen Zielgruppe „andockt” – und nicht, wenn er regelkonform, aber leblos daherkommt. Nominalstil und Perfektion machen Botschaften wirkungslos. Was also tun? Die Antwort liegt uns buchstäblich auf der Zunge. Die Art, wie wir sprechen, zeigt uns oft den besten Weg.

4. Schreiben braucht Resonanz, nicht nur Feedback

Gutes Autorencoaching geht über Lob und Kritik hinaus. Es bedeutet echtes Zuhören, Nachfragen und Mitdenken. 

 

Viele Schreibende wissen längst, was sie schreiben wollen – aber sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört, nachfragt und aktiv mitdenkt. Autorencoaching heißt für mich, mit dem Manuskript vertraut zu werden und über das Loben und Kritisieren hinauszugehen. Ich nehme den Menschen hinter den Worten ernst, indem ich einen guten Mix aus positiven und kritischen Rückmeldungen anstrebe – und das große Ganze der Publikation oder des Werkes weiterdenke und hierzu Vorschläge mache.

5. Bilder im Kopf machen Texte lebendig

Sachlichkeit und Emotion dürfen sich nicht ausschließen. Copywriting, das verkauft, darf trotzdem berühren. 

 

Ich begleite viele Schreibende: Verlagsautorinnen, Selfpublisher, Unternehmerinnen, Werbeagenturen und Content Marketer. Was alle bewegt: Wie sieht eine gute Mitte zwischen sachlicher Darstellung und emotionaler Intensität aus? Wir transportieren Tiefe und sprechen die Sinne an, indem wir Bilder, Geschichten und Konkretes mit der Sachebene zusammenbringen – erst dann zündet die Botschaft. Leichter gesagt als getan? Kein Problem, wir halten inne, schauen hin und sprechen darüber. Dann finden wir die Bilder, die wir brauchen, ohne die Sachebene zu verletzen. Schließlich geht es im Copywriting nicht um laute Claims und künstliche Dringlichkeit. Auch ein Angebotstext kann respektvoll, tief und klar sein. Texte, die verkaufen, dürfen trotzdem berühren. Das macht sie wirksam.

6. Selfpublishing ist kein Notnagel

Selfpublishing ist heute ein gleichwertiger Weg. Wer hier erfolgreich sein will, muss wie ein Verlag agieren – strategisch und professionell. 

 

Was früher „Plan B“ war, ist heute eine großartige Option: Selfpublishing macht Schreibende unabhängig und sichtbar – für die Zielgruppe und für Verlage. Aber: Wer wirksam veröffentlichen will, muss wie ein Verlag denken, also unternehmerisch. Das heißt: Als Lektor-Autorin-Gespann brauchen wir Struktur, Strategie, Qualität im Know-how und eine professionelle Haltung.

7. Struktur schafft Freiheit

Ob Roman, Ratgeber oder Werbetext: Ohne klare Gliederung verliert sich selbst die beste Idee. 

 

Struktur schafft Raum, Orientierung und Fokus. Sie ist nicht das Korsett eines Textes, sondern sein Gerüst. Daher ist es immer sinnvoll, innezuhalten und sich zu fragen: Ist diese Reihenfolge der einzelnen Botschaften oder Handlungsteile ideal? Oder kann man den Einstieg ins Thema und das Verweilen beim Text den Lesenden erleichtern?

8. Zwischenüberschriften retten Leben (und Lesende)

Struktur, Lesefreundlichkeit und Orientierung – Zwischenüberschriften sind wichtige Anker im Textmeer. 

 

Gerade in längeren Publikationen sind Zwischenüberschriften nicht nur optische Haltestellen. Sie führen durch die Argumentation und lockern auf – und holen komplexe Inhalte aus dem Nebel.

9. Schreiben kann einsam machen – muss es aber nicht

Austausch, Coaching und Dialog sind wertvoll. Schreiben ist ein Prozess, den niemand allein gehen muss. 

 

Viele Schreibende arbeiten im stillen Kämmerlein, selbst die etablierten. Trotz Social Media und Buchmesseaufenthalten fehlt gelegentlich der aufrichtige Austausch. Gerade in Zeiten, in denen die Achtsamkeitsökonomie den intensiven Dialog erschwert, bekommt das Gespräch von Du zu Du und von Sie zu Sie besonderen Wert. Mein Job als Lektor und Coach ist es, Licht in den verdunkelten Wort-Steinbruch zu bringen. Zuhören, sortieren, spiegeln. Am Ende solcher Beratungen kann ich sagen: „Machen Sie weiter – Sie sind auf dem richtigen Weg.“ Doch vor einem Gespräch hätte dieser Satz nicht geholfen, denn Schreiben und das Reden über das Schreiben sind ein Prozess. Ein gemeinsamer Weg.

10. Gute Texte entstehen selten zufällig

Arbeit, Zweifel und Überarbeitung gehören zum Schreiben – genauso wie der Verzicht auf Perfektion. 

 

Hinter den meisten gelungenen Texten steckt Arbeit: Denken, Fühlen, Überprüfen, Weglassen, Überarbeiten. Auch der Zweifel und der Widerstand der ersten Lesenden gehören dazu. Was bleibt, ist die Freude, wenn alles zusammenkommt – Sprache, Inhalt, Wirkung. Diese Momente machen meinen Beruf auch nach zehn Jahren besonders. Dabei geht es nie um Perfektion. Die wirksamsten Texte stehen nicht immer auf selbstsicherem Boden. Sein bestes für einen Text gegeben zu haben genügt. So wird der Text seine Kreise ziehen.

Fazit: 10 Jahre, 10 Lektionen – und viele neue Texte

Nach 10 Jahren als Lektor, Texter und Autorencoach weiß ich: Sprache bewegt, verbindet und schafft Wirkung.

 

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